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MITGLIEDERVERSAMMLUNG

 

Auf gutem Kurs

Der Bundesverband Holz und Kunststoff (BHKH) ist auf gutem Kurs. Dies hat sich während der jüngsten Mitgliederversammlung gezeigt. Zufrieden bilanzierte Präsident Günter Füllgraf, dass der Bundesverband sachlich und personell so aufgestellt ist, dass er die Herausforderungen der kommenden Jahre meistern kann.

Die personellen Turbulenzen der vergangenen Monate sind vorbei. Daran ließ Füllgraf in seiner Einführungsrede keinen Zweifel. „Die kommende Hauptgeschäftsführerin, Dr. Bettina Wehrisch, wird die Geschicke des BHKH höchst kompetent und souverän lenken.“ Die Delegierten der Landesfachverbände wählten Wehrisch einstimmig. Sie steht damit an der Spitze des neu aufgestellten BHKH-Teams, das seine alte Stärke von sieben hauptamtlichen Mitarbeitern wieder erreicht hat.

Ein schlagkräftiger Bundesverband ist umso wichtiger, als die aktuelle Situation des Handwerks „bewegt und krisengeschüttelt“ ist, wie Füllgraf deutlich machte. Auf die Tischler und Schreiner kommen dabei besondere Herausforderungen zu. Matthias Wächter, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes Niedersachsen/Bremen, erläuterte dazu eine Studie der ProWood-Stiftung.

Der Markt für Tischlerleistungen wird in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich stagnieren, lautet eines der Ergebnisse der Studie. Gleichzeitig sei der Verdrängungswettbewerb härter geworden - nicht nur unter den Tischlern selbst, sondern auch und gerade in der Konkurrenz mit den B-Betrieben, die seit 1995 beim Umsatz stark zugelegt hätten.

Chancen bieten sich laut Studie für Spezialisten, Innovatoren sowie Universal- und Servicebetriebe. Defizite seien vor allem bei strategischer Ausrichtung, Controlling und Marketing festzustellen.

Wächter machte jedoch deutlich, dass viele Betriebe die Zeichen der Zeit erkannt haben: Sie stellen sich auf die Bedingungen ein.

Der Bundesverband werde sie dabei mit einer abgestimmten, wirkungsvollen Strategie unterstützen, sagte Dieter Roxlau, Hauptgeschäftsführer des Landesfachverbandes Nordrhein-Westfalen. Roxlau ist Mitglied der Strategiekommission des BHKH. Als Diskussionsgrundlage präsentierte er den Delegierten die ersten Ergebnisse der Kommission.

Ein Stichwort ist dabei die Zertifizierung und Qualitätssicherung von Bauteilen im Rahmen der neuen EU-Anforderungen. Die Fachorganisation soll den Mitgliedsbetrieben die entsprechenden Prüfungen weitestgehend abnehmen, um so deren Kostenbelastung zu reduzieren. „Dies geschieht am sinnvollsten bundeseinheitlich durch Lizenzsysteme“, so Roxlau. Der BHKH und die Landesfachverbände bieten solche Lösungen bereits an.  

Daneben strebt der Bundesverband Kooperationen mit Verbänden aus angrenzenden Berufen an. „So können wir eine größere Effizienz und eine günstigere Finanzierung für unsere Mitglieder erreichen“, erklärte Roxlau. Die Strategiekommission will die abschließenden Ergebnisse ihrer Beratungen auf einer der nächsten Mitgliederversammlungen vorstellen.

Stark macht sich der Bundesverband auch in Sachen Neuordnung der Erstausbildung zum Tischler. Brigitta Ehlers-Staack, Referentin für Berufsbildung, stellte einen entsprechenden Entwurf des Berufsbildungsausschusses des BHKH vor. Die Delegierten befürworteten ihn ohne Gegenstimme. Der Entwurf bildet damit die Grundlage für die weiteren Gespräche mit den zuständigen Institutionen: der IG-Metall als Sozialpartner, dem Bundesinstitut für Berufsbildung, dem Bundesarbeitsministerium und dem Bundesbildungsministerium. Ziel ist, dass die neue Ausbildungsverordnung im August 2005 in Kraft tritt.

Der Entwurf des BHKH sieht im Kern vor, dass das Prinzip der Ausbildung zum Generalisten bestehen bleibt. Zusätzlich sollen Lehrlinge künftig in Absprache mit ihren Betrieben individuelle Schwerpunkte setzen können. So würden sie trainiert, auch spezifischen Anforderungen professionell gerecht zu werden, erklärte Ehlers-Staack.

Außerdem sollen die schriftlichen Prüfungsfelder künftig gleich stark gewichtet werden. Geplant sind die vier Bereiche: Gestaltung, Konstruktion und Arbeitsplanung; Werkstofftechnik; Fertigungs- und Montagetechnik; Wirtschafts- und Sozialkunde. Um die Prüfung zu bestehen, müssten die Lehrlinge in drei Bereichen mindestens ausreichende Leistungen zeigen. Die Ergebnisse der Zwischenprüfung sollen sich auf die Abschlussnote der Gesellenprüfung auswirken. 

Ebenfalls einstimmig befürworteten die Delegierten die grundsätzliche Schaffung von zweijährigen Ausbildungsberufen zur Einbaufachkraft für Holz-, Kunststoff- und Metallfertigteile sowie zur Fachkraft für Küchen- und Möbelmontage. Diese werden von Politik und Wirtschaft im Rahmen der Modernisierung der beruflichen Bildung gefordert. Die BHKH-Delegierten mahnten jedoch an, bei der Einbaufachkraft für Holz-, Kunststoff- und Metallfertigteile den Bereich Wintergarten auszuklammern. Hier handele es sich um eine Kernkompetenz  der Tischler und Schreiner, die nicht aus dem Berufsbild herausgelöst werden dürfe.

Einvernehmen zeigten die Delegierten auch bei einem heiklen Tagesordnungspunkt: der Beitragsvorauszahlung an die Bundesvereinigung der Fachverbände des Deutschen Handwerks (BFH). Sie erklärten sich mit der Zahlung der von der BFH geforderten 16.000 Euro einverstanden. Voraussetzung ist allerdings, dass der BHKH Mitglied in der BFH bleibt. Darüber wird eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Bundesverbandes im September dieses Jahres entscheiden. Sollte sie beschließen, dass der BHKH Ende 2004 aus der BFH austritt, müssten die 16.000 Euro mit der letzten Beitragszahlung verrechnet werden.

Hintergrund ist die Insolvenz der handwerk.de AG, die den Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in existenzielle Finanznot gebracht hat. Um dessen kurzfristige Überschuldung zu vermeiden, hatte die BFH-Vollversammlung im Februar 2004 einen Beitragsvorschuss ihrer Mitgliedsverbände beschlossen. Die BFH ist eine der tragenden Säulen des ZDH. Die Vorauszahlung soll auf die regulären Beiträge der nächsten zehn Jahre angerechnet werden.

14. Juli 2004

Ansprechpartner für die Redaktion:

Frank Markowski
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 030 / 30 88 23-40
Fax: 030 / 30 88 23-42
Mail: presse@tischler.org

Bei Abdruck Belegexemplar erbeten.

Bilder von oben nach unten:

Strahlend überreichte BHKH-Präsident Günter Füllgraf der frisch gewählten Geschäftsführerin, Dr. Bettina Wehrisch, einen Blumenstrauß. Mit Blick auf die Delegierten bedankte sich Wehrisch für das ausgesprochene Vertrauen. 

Matthias Wächter, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes Niedersachsen/Bremen, informierte Präsidium und Delegierte über die Ergebnisse der ProWood-Studie zum Tischlerhandwerk.

Dieter Roxlau, Hauptgeschäftsführer des Landesfachverbandes Nordrhein-Westfalen, stellte den Delegierten die ersten Resultate der Strategiekommission vor. (Fotos: BHKH)

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